Fachwissen

Fehlsichtigkeiten

Das Auge wird in seinem Aufbau oft mit einer Kamera verglichen. Hilfreicher zum Verständnis ist jedoch der Vergleich mit einem Diaprojektor oder Videobeamer. Wie bei einem Projektor müssen der Abstand zur Leinwand sowie die Brennweite der Optik im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Ist das Bild unscharf muss das Objektiv nachjustiert werden. Ansonsten ist das Bild undeutlich. Ein fehlsichtiges Auge ist genauso ‘defokussiert‘ wie der falsch eingestellte Projektor. Die Augenlänge und seine optische Wirkung befinden sich nicht im optimalen Verhältnis. Das Auge ist daher fehlsichtig und komfortables, deutliches Sehen ist nicht möglich.

Die häufigsten Sehfehler sind Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit sowie Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). Mit zunehmendem Alter kommt bei allen Menschen die Altersweitsichtigkeit hinzu. Die Augenlinse kann sich in diesem Fall nicht mehr auf alle Entfernungen anpassen und benötigt eine optische Unterstützung bei Nahtätigkeiten (z.B. Lesen).

Es gibt noch eine Reihe weiterer Fehlsichtigkeiten. Verglichen mit den oben genannten treten diese relativ selten auf und daher wird hierauf nicht näher eingegangen.

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Kurzsichtige Menschen sehen ohne ihre Brille in der Ferne undeutlich und nur in der Nähe deutlich. Um in allen Bereichen deutlich sehen zu können, benötigen sie eine Brille mit sog. "Minusgläsern". Diese Gläser sind am Rand dicker als in der Mitte und haben verkleinernde Wirkung. In der Brillenverordnung erkennt man Minusgläser an dem "Minus-Vorzeichen" vor dem Dioptriewert. 

Beispiel einer Brillenverordnung:
sph. -2,5

Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Weitsichtige Menschen können häufig in der Ferne relativ gut auch ohne Brille sehen. Allerdings müssen sie sich hierbei oft anstrengen, was zu schneller Ermüdung und Kopfschmerzen führen kann. Beim Nahsehen (z.B. Lesen) müssen sie sich sogar noch erheblich mehr anstrengen. Die Weitsichtigkeit wird durch so genannte "Plusgläser" ausgeglichen. Diese Gläser sind in der Mitte dicker als am Rand und besitzen eine vergrößernde Wirkung. Man erkennt sie an dem "Plus-Vorzeichen" in der Verordnung. 

Beispiel einer Brillenverordnung:
sph. +1,0

Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)

In Kombination mit Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder sogar Rechtsichtigkeit kann die Hornhautverkrümmung auftreten. In diesem Fall ist die Hornhaut nicht optisch optimal sondern "verkrümmt" gewölbt. Sie ist in einer Richtung stärker gekrümmt, ähnlich einem Gummiball, in den man mit der Faust hineindrückt: Der Ball verliert seine kugelrunde Form und wölbt sich an einer Seite hervor. Astigmatismus wird mit torischen (oder: zylindrischen) Brillengläsern ausgeglichen. Bei diesen Gläsern folgt nach den Werten für die Kurz- bzw. Weitsichtigkeit die "Zylinderwirkung" sowie die "Achslage". 

Beispiele für Brillenverordnungen:
sph. +1,0 cyl. +0,75 Achse 1800 
sph. -2,5 cyl. +0,5 Achse 1800

Alters-Weitsichtigkeit (Presbyopie)

Mit zunehmendem Alter wird das Lesen kleiner Schriften zunehmend schwieriger. Dies ist eine Erfahrung, die in der Regel jeder Mensch macht, etwa ab dem 45. Lebensjahr. Kurzsichtige Menschen nehmen in diesem Fall gern die Brille zum Lesen ab. Recht- und weitsichtige Personen halten ihr Buch immer weiter weg - solange bis der Arm zu kurz wird oder die Schrift zu klein.

Presbyopie erfordert optische Unterstützung im Nahsehen. Hierbei spielt es keine Rolle, ob man bereits kurzsichtig, weitsichtig oder rechtsichtig ist, bzw. eine Hornhautverkrümmung hat. Es ist eine Unterstützung erforderlich, die sich zu der evtl. vorliegenden Fernverordnung "addiert": Die Addition für die Nähe ist in der Regel für beide Augen gleich und liegt meistens zwischen 1,0 und 3,0 Dioptrien. 

Beispiele für Brillenverordnungen:
sph. +1,0 cyl. +0,75 Achse 1800 Add. 2,0
sph. -2,5 cyl. +0,5 Achse 1800 Add. 2,0

Analog zu Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Astigmatismus kann auch die Altersweitsichtigkeit prinzipiell mit Einstärkengläsern ausgeglichen werden. Diese Lösung ist jedoch mit erheblichen Nachteilen in den Sehbereichen verbunden. Aus diesem Grunde haben sich Gleitsichtgläser als die zeitgemäße Lösung für Presbyopen durchgesetzt.

Materialien für Brillengläser

Grundsätzlich werden im Brillenbereich Materialien auf Silikatbasis (herkömmliches Glas) unterschieden von organischen Materialien (Kunststoff). Innerhalb dieser beiden Obergruppen werden weiterhin verschiedene Materialien mit unterschiedlichen Merkmalen und Eigenschaften angeboten. Diese unterscheiden sich durch eine Reihe von Kennzahlen und Materialeigenschaften.

Brechungsindex

Der Brechungsindex ist das Maß für die Lichtbrechung eines Materials. Im Silikatbereich reicht die Bandbreite des Brechungsindex von 1,5 (für Standard-Kronglas) bis zu 1,8 und darüber für besonders hoch brechende Gläser. Brillenträger mit hoher Kurzsichtigkeit bevorzugen Gläser mit hohem Brechnungsindex, da diese am Rand deutlich dünner ausfallen als Kronglas und daher besser aussehen. Allerdings steigt mit zunehmendem Brechungsindex auch das spezifische Gewicht an, was unter Umständen zu Nachteilen bei Gewicht und Tragekomfort führt.

Spezifisches Gewicht (Dichte)

Das spezifische Gewicht beschreibt die Materialdichte eines Glases und beeinflusst somit das Gewicht der Brillengläser. Für Standard-Kronglas (Brechungsindex 1,5) liegt das spezifische Gewicht bei 2,55 g/cm³. Für besonders hochbrechendes Material mit Index 1,8 beträgt es 3,47 g/cm³. Polycarbonatscheiben sind daher erheblich leichter als Hartglas, da deren spezifisches Gewicht nur 1,2 g/cm³ beträgt.

Abbe-Zahl

Die Abbe-Zahl kennzeichnet die Dispersionseigenschaften (Farbzerstreuung) eines Materials. Je größer sie ist, umso vorteilhafter ist das Glasmaterial für den Sehkomfort.

Organische Gläser (Brillengläser aus Kunststoff)

In den vergangenen 20 Jahren hat der Anteil von Kunststoff-Brillengläsern erheblich zugenommen. In Deutschland liegt er inzwischen bei rund 60% aller privat getragener Brillen. Gegenüber Silikatgläsern bieten Kunststoffgläser enorme Vorteile:
-Bis zu 60% geringeres Gewicht
-Geringeres Bruchrisiko 
-Einfärbung in vielen Tönungen möglich 

Durch neue Technologien und Fertigungsverfahren wurden die früheren Nachteile der Kunststoffgläser weitestgehend behoben:
-Lacke erhöhen die Kratzfestigkeit und verbessern die Widerstandsfähigkeit der Glasoberfläche. 
-Kunststoffgläser sind nicht zwangsläufig dicker als Silikatgläser. Inzwischen wird auch eine breite Palette von organischen Materialien mit Brechungsindizes von 1,7 und darüber angeboten. Gleichzeitig bleibt jedoch der Gewichtsvorteil des Kunststoffmaterials erhalten. 

Für die Verwendung im Arbeitsschutz hat sich Polycarbonat als optimales Material durchgesetzt und bewährt. Denn es bietet enorme Vorteile. Mit seinem spezifischen Gewicht von 1,2 g/cm³ ist es bis zu 60% leichter als vergleichbares Hartglas. Gleichzeitig bietet es erhebliche Sicherheitsvorteile: Im Gegensatz zum Hartglas besteht Polycarbonat den Beschusstest mit 45 m/s und kann daher mit "F" gekennzeichnet werden. 

Ebenfalls den Vergleich mit CR 39 entscheidet Polycarbonat deutlich zu seinen Gunsten. Aufgrund der höheren Schlagzähigkeit erfüllt Polycarbonat den Beschusstest mit 45 m/s und kann daher mit "F" gekennzeichnet werden. Sichtscheiben aus CR 39 dagegen erfüllen lediglich geringere Festigkeitstests

AMBRIC - Fachwissen

Polycarbonat

Grundsätzlich stehen für die Verglasung von Korrektionsschutzbrillen drei Glasmaterialien zur Verfügung: Mineralisches Silikat-Hartglas sowie die Kunststoffe CR 39 und Polycarbonat. Bei der Entscheidung zu Gunsten eines Materials müssen die Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Die optische Qualität ist hierbei kein Entscheidungskriterium, da alle Materialien die höchste optische Güteklasse "1" erfüllen.

Polycarbonat im Vergleich mit CR 39

Der Kunststoff CR 39 dominiert den Markt hinsichtlich der Verglasung von Privatbrillen. Für die Verwendung im industriellen Augenschutz fällt dieses Material bei kritischer Betrachtung jedoch sofort durch: Im Vergleich zu beschichtetem Polycarbonat ist das Glas aus CR preislich deutlich höher angesiedelt, bietet auf Grund seiner geringeren Bruchfestigkeit jedoch weniger Schutz und Sicherheit.

Polycarbonat im Vergleich mit Hartglas

Etwas anders sieht die Situation beim Hartglas aus. Auch in diesem Fall fällt die Entscheidung eindeutig zu Gunsten des Polycarbonats aus. Nachdem es sich um Gläser für Schutzbrillen handelt, sollte in jedem Fall der Schutzwirkung und somit der Sicherheit die höchste Priorität eingeräumt werden. Gläser aus Polycarbonat sind mit "F" gekennzeichnet und erfüllen somit die für Bügelbrillen höchsten Anforderungen der Norm EN 166: Den Beschusstest mit 45 m/s. Dagegen erfüllt Mineralglas lediglich geringere Festigkeitstest, bietet daher weniger Schutz und Sicherheit und muss dementsprechend mit einer niedrigeren Festigkeitsstufe gekennzeichnet werden.

Fazit

In der Summe bietet Polycarbonat gegenüber Hartglas enorme Vorteile hinsichtlich Schutzwirkung, Bruchsicherheit, sowie Gewicht (Tragekomfort). Lediglich bei der Kratzfestigkeit bietet das Hartglas gegenüber dem Polycarbonat signifikante Vorteile. Allerdings sind im Laufe der vergangenen Jahre die Beschichtungen zur Erhöhung der Kratzfestigkeit permanent weiter entwickelt worden. Diese erreichen heute ein derart hohes Qualitätsniveau, dass selbst an Arbeitsplätzen mit hoher mechanischer Belastung die Verwendung von beschichteten Polycarbonatgläsern empfohlen werden kann. Zumal die Sicherheit des Brillenträgers bei der Auswahl der Schutzmittel an erster Stelle stehen sollte.

AMBRIC - Fachwissen

Gleitsichtgläser

Gleitsichtgläser werden seit über 30 Jahren angeboten und haben inzwischen bei Mehrstärkengläsern einen Marktanteil von rund 70% erworben. Sie sind die zeitgemäße Lösung für die Korrektion der Alters-Weitsichtigkeit (Presbyopie). Denn sie geben den Augen natürliches und sicheres Sehen in allen Entfernungen zurück. Weiterhin sind Gleitsichtgläser völlig unauffällig, da sie wie herkömmliche Einstärkengläser aussehen.

Beim Blick durch den oberen Teil (Fernbereich) gleicht das Gleitsichtglas die Fehlsichtigkeit aus (Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Astigmatismus). Im unteren Teil des Glases (Nahbereich) wirkt die Addition und ermöglicht dem Brillenträger komfortables Sehen in der Nähe (z.B. Lesen).

Gleitsichtgläser sind im Laufe der Jahrzehnte permanent weiter entwickelt und optimiert worden. Speziell die schnelle Eingewöhnung sowie die Größe der Sehbereiche wurden immer weiter verbessert. Während Gläser früherer Generationen noch mit stärkeren Problemen behaftet waren, sind Unverträglichkeiten bei modernen Glaskonzepten selten geworden und stellen eher die Ausnahme dar.

Voraussetzung für erstklassigen Sehkomfort ist jedoch eine genaue und gewissenhafte Anpassung sowie die exakte Ermittlung der persönlichen Zentrierdaten. Sollte ein Brillenträger mit seiner Gleitsichtbrille trotz Eingewöhnungs- und Versuchsphase nicht zufrieden sein, müssen zunächst die Zentrierdaten überprüft werden. Mögliche Beschwerden und deren Ursachen können sein:

Sehen in der Ferne unscharf?
Glas sitzt zu hoch

Sehen in der Nähe unscharf?
Glas sitzt zu tief
 PD nicht hinreichend exakt

Nahbereich zu klein?
PD nicht hinreichend exakt

Diese Angaben dienen lediglich als grobe Orientierung. Bei Unverträglichkeiten müssen sämtliche Einflussfaktoren und Parameter gründlich analysiert werden. Gleitsichtgläser sind in der Regel individuelle Sonderanfertigungen. Hierfür sind folgende Angaben erforderlich:

  • Rechtes oder linkes Auge
  • Sphäre - Cyl.* - Achse*
  • Addition
  • Einzel-PD und Durchblickshöhe

*) cyl und Achse bei Vorlage einer Hornhautverkrümmung

Grafik_Gleitsicht